Sichere Innendämmung mit Faserdämmstoffen – Was ist zu beachten?

Die Sparziele die mit dem Klimavertrag von Paris vereinbart wurden sind ehrgeizig.
Die globale Erwärmung des Klimas soll auf maximal zwei Grad begrenzt bleiben.
Deswegen sollen auch in der Schweiz alle Neubauten ab spätestens 2020 energieneutral
beheizbar sein. Zur Sanierung der Altbauten soll das Gebäudeprogramm weiter ausgebaut werden.
Leider werden in der Schweiz zur Zeit nur ca. 1 % der Altbauten pro Jahr energetisch
erneuert. Der durchschnittliche Heizenergiebedarf der noch nicht renovierten
Altbauten liegt bei 160 KWh, was umgerechnet 16 Litern Heizöl pro Quadratmeter und Jahr entspricht.
bild-0-thermografie-innenwand

Thermografie einer Fachwerkwand vor der Sanierung

Dämmtechnisch wäre ohne weiteres eine Verbesserung um den Faktor 10, auf nur
noch 15 KWh bzw. 1,5 l möglich. Der verbleibende Verbrauch kann durch
Eigenproduktion zum Beispiel mit Photovoltaik und eine thermische Solaranlage
ausgeglichen werden. Als Resultat ergibt sich so ein Nullenergiehaus.
Diese Sparziele scheitern jedoch häufig an Schwierigkeiten bei der praktischen
Umsetzung im Bestand. Altbauten schränken oft schon durch ihre Baukonstruktion
die Sanierungsmöglichkeiten ein.
So werden beispielsweise Wände am effektivsten von aussen gedämmt. Das ist aber

nicht möglich, wenn die Fassade erhalten bleiben muss oder ein Sichtfachwerk erhalten bleiben soll. Im Sanierungsfall kommt dann eine Innendämmung zum Zug.

Welche Innendämm-Systeme gibt es überhaupt?
Es sind verschiedenste Systeme für Innendämmungen auf dem Markt. So gibt es
beispielsweise kapillaraktive Systeme mit Mineralschaum oder Holzfaserplatten.
Diese werden raumseitig verputzt und mit der bestehenden Wand mineralisch
verklebt und verdübelt. Die Feuchteregulierung erfolgt bei diesen Systemen durch
einen kapillaren Feuchtetransport nach innen. Leider sind dadurch die maximal
erzielbaren Dämmstärken meist auf 100 mm beschränkt. Hinzukommt, dass die meisten
dort eingesetzten Dämmstoffe aufgrund der notwendigen erhöhten Festigkeit als
Putzträger keine so optimale Dämmwirkung erzielen können.
Als effektiver in Dämmwirkung und Aufbau haben sich Konstruktionen mit Holz- oder

Metallständern und dazwischen eingebauten faserförmigen Dämmstoffen erwiesen, weshalb es in der Folge hauptsächlich um diese Konstruktionen geht.

Die alte Wand kann einfrieren
Zunächst einmal ist es gut zu schauen, welche Auswirkungen eine Innendämmung
allgemein auf die bestehenden Wandaufbauten hat. Der Bestand soll ja durch die
Dämmmassnahme nicht geschädigt werden.
Es ist ein Faktum, dass je stärker die bestehende Wand von Innen gedämmt wird, sie
im Winter umso stärker in den äusseren Schichten abkühlt, weil ja von innen weniger
Wärme ankommt. Dies kann dazu führen, dass die Wand abhängig vom eigenen
Dämmwert im Winter sogar komplett einfriert. Deswegen sollten alle ihre Bestandteile
frostbeständig sein. Gipsputze auf der Innenseite sind es nicht, sie können nach
Frostwechseln faulen. Eingeschlossenes kapillares Wasser kann zusätzlich zwischen
Mauerwerk und Außenputz zu Abplatzungen führen.
Deswegen ist es wichtig, sich die bestehende Wand und ihre Schichten genauer
anzusehen, bevor man mit der Ausführung beginnt. Weiter unten finden Sie zu
diesem Thema eine Checkliste mit Hinweisen, auf was zu achten ist.
bild-2-schlagregen

Schlagregen auf der Innenseite einer Riegelwand

Sicherheit durch Feuchteberechnung
Es empfiehlt sich für den geplanten Wandaufbau, vorgängig eine Feuchteberechnung/Beurteilung durchführen zu lassen. Dabei ist zu beachten, dass die nach SIA 180 meistens verwendete Glaser-Berechnung bei der Innendämmung nicht zu realistischen Ergebnissen führen. Denn dieses Verfahren berücksichtigt nur den Feuchtetransport über Diffusion, nicht aber über Konvektion und kapillaren Transport. Die WTA (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V.) empfiehlt in ihrem Merkblatt 6-4 deswegen den Nachweis mit einer instationären Berechnung wie WUFI. Dieses Verfahren ist auch nach SIA 180 zulässig.

Sichere WUFI-Berechnung
Beim WUFI-Nachweis kann man den besonders kritischen Feuchteanfall an der
Grenzschicht zwischen neuer Dämmung und bestehender Wand gut beurteilen. Die
Porenluftfeuchte an dieser Grenzfläche sollte 92% nicht überschreiten, damit die
Feuchte nicht langfristig zu Materialschäden führen kann. Manche Hersteller von

Dampfbremsen und Dämmstodffen bieten hier Hilfestellung mit kostenlosen, aber verbindlichen Beurteilungen der geplanten Konstruktion an.

Was ist bei der Ausführung zu beachten?
Die möglichen Dämmstärken, werden zwar durch teilweise vorhandene
Diffusionsdichtheit der bestehenden Wand oder die Höhenlage des Objekts teilweise
eingeschränkt. Es dürften aber, trotz möglicher Einschränkungen weit bessere U-
Werte machbar bleiben.
Die folgenden Hinweise und Empfehlungen beziehen sich auf den Einsatz der
feuchtevariablen INTELLO / INTELLO PLUS. Ihr Einsatz wird von renommierten Bauphysikern speziell auch bei Innendämmungen empfohlen.

Mögliche Dämmstärken

  • Aussen diffusionsoffene Konstruktionen (sd<0,5 m) können ohne Beschränkung der maximalen Dämmwerte und der Höhenlage ausgeführt werden.
  • Aussen diffusionsbremsende Konstruktionen (sd< 3,0 m, z. B. Hochlochziegel bis 20 cm oder Weichholz bis 7,5 cm Dicke) können bei gleichen maximalen Dämmwerten bis zu einer maximalen Höhenlage von 1200 m.ü.M. ausgeführt werden.
  • Bei aussen diffusionsdichten Konstruktionen (sd> 3,0 m, z.B. durch Beton oder Bitumenbeschichtungen im Bestand) beträgt die maximale Dämmstärke von faserförmigen Dämmstoffen (bis Wärmeleitwert 0,035 W/mK) 120 mm + weiteren 40 mm in der Installationsebene. Dies ist dann bis zu einer maximalen Höhenlage von 700 m.ü.M. aus jeden Fall möglich.
  • Im Einzelfall sind auch bei aussen diffusionsdichten Konstruktionen unter gewissen Bedingungen noch höhere Dämmstärken als in der Empfehlung möglich.Voraussetzung ist in so einem Fall eine Beurteilung mit Hilfe einer WUFI-Einzelberechnung unter Einbezug der örtlichen Bedingungen durch einen versierten Spezialisten.

Ausführungstipps:

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Konvektion: Konvektion in der Dämmebene kann zu Schäden führen

Der Dämmstoff muss unbedingt vollflächig zwischen Dampfbremse und bestehender
Wand eingebaut werden. Dies reduziert die Konvektion in der Dämmebene, ganz
nach dem Spruch „Wer Hohlräume verbaut, hat die Konstruktion versaut“. Wenn die
alten Wände schief oder stark uneben sind, ist es vorteilhaft mit Einblas-Dämmungen

zu arbeiten. Sie haben auch den Vorteil, dass sie meist sorptiv sind und die Feuchtevon den kritischen Bauteilen und Positionen wegleiten.

Das Aussenmauerwerk sollte beidseitig verputzt sein. Dies sorgt aussen für den sehr wichtigen Schlagregenschutz und innen für die Luftdichtheit sowie den kapillaren Feuchteübergang. Kalkputze sind übrigens auf der Innenseite von Vorteil, weil sie im Gegensatz zu reinen Zementputzen diffusionsoffener sind.

bild-5-innenputz-bei-riegelwand-nachgebessert

Innenputz bei Riegelwand, nachgebessert: Die Anschlussfugen zwischen Ausfachung und Riegel wurden sorgfältig nachgebessert, damit der Schlagregen nicht mehr so leicht eindringen kann.

  • Vorhandene sperrende Schichten wie Fliesenbeläge sind abzuschlagen. Auch vorhandene Tapetenreste sollten wegen Schimmelgefahr vorgängig entfernt werden.
  • Beachten Sie mögliche Wärmebrücken an einbindenden Innenwänden und Decken ab 100 mm Dämmstärke und generell in den Fensterlaibungen. Eventuell muss die Dämmung ein Stück um die Ecke gezogen werden, damit die Gefahr von Kondensatbildung reduziert wird.
  • Optimal ist es, wenn die Luftdichtung z.B. bei Decken durchgängig
    ausgeführt werden kann. Müssen Decken oder Boden eingebunden werden,
    kann man mit einer luftdichten, diffusionsoffenen Unterdachbahn nach aussen
    und wieder zurück springen und diese wieder an die reguläre Dampfbremse

    anschließen.

    bild-6-deckenuebergang

    Durchgängige Luftdichtung am Deckenauflager

  • Bei der Verlegung der Dampfbremse, sind die Anschlüsse an angrenzende
    Bauteile sorgfältig auszuführen. Oft sind die angrenzenden Bauteile selbst
    weder homogen noch in sich luftdicht. So kann es schnell zu
    Hinterströmungen von Aussenluft durch diese Bauteile kommen. Die Wirkung
    der Dämm-Massnahme wird dann stark reduziert, weil es zum Beispiel plötzlich
    aus dem Türfutter oder den Steckdosen der Innenwand windet oder es an den
    Fussleisten der angrenzenden Decke zieht. Es ist also gut, bei diesen
    Bauteilen nicht automatisch von einer gegebenen Luftdichtheit auszugehen
    und sich durch eine Bauteilöffnung oder eine Überprüfung der Luftdichtheit
    z.B. mit einer Blower-Door oder einer Bauteilsondierung im Dämmbereich
    Gewissheit zu verschaffen. So kann man im Bereich der Luftdichtungsebene

    gegebenenfalls nachbessern.

    bild-8-balkenkopf-mit-riss

    Balkenkopf mit Riss: Riss in Balkenköpfen können eine Leckage darstellen

  • Bewährt hat sich eine betriebsinterne Qualitätssicherung, während heikler
    Dämm- und Luftdichtungsarbeiten, nach dem Vier-Augen-Prinzip.
    Arbeitskollegen können sich bei der Arbeit gegenseitig rückversichern, dass
    sie alle Details richtig ausgeführt haben und sich gegenseitig fragen: „Ist die
    Dämmung wirklich hohlraumfrei eingebracht? Sind alle seitlichen Anschlüsse
    luftdicht und hinterströmungsfrei ausgeführt? Sind Balkenköpfe dauerhaft

    luftdicht an die Dampfbremse angeschlossen?“

  • Vor dem Anbringen der Innenverkleidung empfiehlt sich, bei solch
    bauphysikalisch anspruchsvollen Konstruktionen wie der Innendämmung,
    zusätzlich eine Überprüfung der Luftdichtheit mit Differenzdruck zur Ortung
    der Restleckagen. Nachbesserungen werden damit erleichtert und spätere
    Rückbaumaßnahmen vermieden. Sollte der Blower-Door-Test einmal auf
    Grund eines luftdichten Bestands keine sicheren Ergebnisse bringen, wird
    empfohlen, zumindest eine sorgfältige Sichtprüfung durchzuführen. Die
    Prüfungsergebnisse sollten auf jeden Fall in den Bauakten dokumentiert

    werden.

  • Bei Durchdringungen z. B. von Kabeln oder Leerrohren haben sich
    vorgefertigte Manschetten bewährt. Sie ersparen Montagezeit und sichern

    dabei noch die dauerhafte Qualität.

  • Der Innenausbau muss, um die Rücktrocknung nach innen zu ermöglichen,
    mit diffusionsoffenen Materialien ausgeführt werden. Diffusionsoffen sind zum
    Beispiel Holztäfer/Massivholz bis max. 30 mm, Gipsfaser-, Hartgips- oder
    4 Gipskartonplatten auch mit Putzüberzug und Anstrich, MDF-Platten ohne
    sperrende Beschichtungen, Lehmbauplatten oder diverse Akustikelemente.
Das Fazit:
Eine Innendämmung verbessert den Wohnkomfort und spart viel Energie. Die
sichere Ausführung von Innendämmungen erfordert eine gute Vorbereitung. Neben
der Bestandsaufnahme und der bauphysikalischen Überprüfung muss auch bei der
Ausführung sorgfältig gearbeitet werden. Wer diese Herausforderung annimmt,
schafft für seine Kunden bleibende Werte, die zur Energieeffizienz beitragen. So hat

man das Beste aus der nicht immer einfachen Altbau-Situation herausgeholt.

Der Autor
michael-w
Michael Wehrli ist pro clima Schweiz Techniker und Vizepräsident des Thermografie undBlower-Door Verbandes Schweiz, theCH.

Der studierte Architekt ist auch als Referent auf Seminaren, Tagungen und Kongressen unter­wegs.

Weitere Artikel von Michael Wehrli:

Michael Wehrli und seine Kollegen aus der schweizer Anwendungstechnik sind erreichbar unter:

  • Telefon (deutsch): 052 543 05 50
  • Telefon (französisch): 022 518 18 98
  • Email: technik@proclima.ch

Aussendichtung bei Gebäuden: Pflicht oder Kür?

Durch die Fugen von Dacheindeckungen kann Wasser in die Dachkonstruktion eindringen. Das kann z. B. Regen unter Winddruck, Flugschnee, Schmelzwasser sein oder kurzfristig beim Bruch einzelner Dachziegel passieren. Um dieses Wasser sicher abzuleiten, brauchen schuppenförmige Dachdeckungen eine zweite wasserführende Ebene.
Als allgemein anerkannte Regel der Technik formuliert die SIA 232-1 und die ergänzende Wegleitung zur Norm von Gebäudehülle Schweiz, wie ein Unterdach beschaffen sein muss und was bei der Ausführung in Abhängigkeit von der jeweils bestehenden Beanspruchung zu beachten ist.

Zu den notwendigen Materialeigenschaften bei Unterdächern mit normaler oder erhöhter Beanspruchung, haben wir neulich im pro clima TV Studios ein paar Informationsvideos gedreht:

Bei weiteren Fragen zur Aussendichtung, hilft die pro clima schweiz GmbH Technik-Hotline weiter:

Tel. 052 588 00 79
Fax 052 301 54 57
eMail: technik@proclima.ch

français:
Tel. 022 518 18 98
eMail: technique@proclima.ch

Zukunftsfähiges Bauen: Fachseminar für Architekten und Planer

Quartierssanierung Lichterfelde Süd. Bild: eZeit Ingenieure

Hochkarätige Referenten an einem Tag mit aktuellen heiß diskutierten Themen in der Baubranche.Das erwartet Sie

am Dienstag, 16. Mai 2017

im Technologie- und Innovationspark Berlin

Fachseminar: Zukunftsfähiges Bauen.

Michael Förster, Bauingenieur und Leiter der Anwendungstechnik von pro clima, ist am 16. Mai 2017 einer der Referenten des Spezialseminars in Berlin. Unter dem Motto “Zukunftsfähiges Bauen” wird er zu den Themen Barrierefreier Zugang auf ein Flachdach in Holzbauweise, dem Hydrosafe-Wert und Luftdichtheitskonzepten referieren.

Dipl.-Ing. Arch. Taco Holthuizen, Geschäftsführer eZeit Ingenieure, stellt das Leuchtturmprojekt Sanierung eines Quartiers in Berlin Lichterfelde vor und erklärt, wie durch Nachverdichtung Wohnraum gewonnen werden kann. Der Architekt ist bekannt für seine ganzheitliche Betrachtung der Projekte und seinen Pioniergeist, was Energieeffizienz in Kombination mit Sozialverträglichkeit betrifft.

AEG-Turbinenhalle von Peter Behrens

Veranstaltungsort ist der Technologie- und Innovationspark in der Gustav-Meyer-Allee in Berlin.  Der ganze Gebäudekomplex entstand ab 1910 unter der architektonischen Leitung von Peter Behrens. Ursprünglich wurde das Gelände von der AEG als Produktionsstandort genutzt.

Die Teilnehmer erwartet eine Führung durch sonst nicht zugängliche die Peter-Behrens-Halle mit dem Dipl.-Ing. Michael Schober vom Institut für Bauingenieurwesen, Bereich Experimentelle Forschung der TU Berlin.

Die Themen im Überblick:

1. Planung: Nachverdichtung – Luftdichtheit- Winterbaustelle

2. Konstruktion: Dachterrasse mit barriefreiem Zugang

3. Praxis: Leuchtturmprojekt Wohnsiedlung Lichterfelde

Das komplette Programm & Anmeldemöglichkeit finden Sie hier:

https://www.kaenguru.me/seminare/fachseminar-planer2017/

Termin und Ort:
Dienstag, 16. Mai 2017
9.45 Uhr bis 17 Uhr

Technologie- und Innovationspark TIB
Gebäude 12, Aufgang 12.5, 1.OG (Servicecenter)
Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin

Blower-Door-Symposium Buildair: Interviews

Am 31. März und 1. April 2017 hat das internationale Blower-Door-Symposium Buildair in Hannover stattgefunden. pro clima hat die Konferenz unterstützt. So haben u. a. die Anwendungstechniker Stefan Hückstädt und Michael Wehrli ihr Wissen in Vorträgen weitergegeben. Heide Gentner, Referentin der Unternehmenskommunikation, hat mit Konferenzteilnehmern und Referenten gesprochen. In den pro clima TV Interviews stellt sie Neuheiten vor, hakt bei Diskussionsthemen auf der Konferenz nach und spricht auch mit internationalen Referenten über die Entwicklung des Themas Luftdichtheit in andern Ländern.

Alle Interviews von der Buildair 2017 gibt es zum Nachschauen in einer YouTube-Playlist.

Falls Sie Fragen haben oder Anregungen: redaktion@proclima.de

Fachartikel: Wie bekomme ich den Fensteranschluss dicht?

Wie bekomme ich den Fensteranschluss dicht?
Die Kunst der Fuge – Plädoyer für ein scheinbar kostenloses und ungeliebtes Thema

Die dauerhafte Abdichtung der Fuge ist eine der grössten Herausforderungen beim Fenstereinbau. Gut wenn man weiss, was zu tun ist und wie man Lösungen für den Bauherrn findet.

Von der Dichtheit der Gebäudehülle hängt die Mangel- und Bauschadensfreiheit ab. Gerade kleine Fehlstellen im Anschlussbereich der Fenster können über kapillare Kräfte viel Feuchtigkeit ins Bauteil eintragen. Zu hohe Feuchte kann zur Schädigung des Bauteils oder zur Schimmelbildung auf der Raumseite führen.

Minergie,-P, -A und wie sie alle heissen. Gerne werden in diesen Programmen wichtige Themen wie Energieeffizienz, Komfort und intelligente Gebäudetechnik behandelt, Gross geschrieben und geplant. Vom Grossen hin zum Kleinen bedarf es jedoch einiger Schritte und Brücken. In den Schluchten zwischen verschiedenen Bauteilen liegt die handwerkliche Herausforderung. Die Kunst der Fuge ist und bleibt in ihrem Kern etwas praktisches und augenblickliches. Die Fugen, gerade von Johann Sebastian Bach, in der Musik, sind ein Sinnbild unserer Fuge beim Fenstereinbau, denn hier spielt die Musik. Das Thema, z.B. Fugendichtung mit Anschlussfolien, muss bis ins Detail gespielt werden.

Die Fuge: Brücke zum Baukörper
In den letzten Jahre sind Fenster in sämtliche Richtungen hin optimiert worden: Schall-,

Contega IQ, das Fensteranschlussband mit RAL-Zertifizierung, ist einfach zu montieren. Seine feuchtevariablen Eigenschaften halten die Fuge zwischen Baukörper und Fenster dauerhaft trocken.

Brand-, Einbruchs-, Wärmeschutz, solare Gewinnbringer, Lüftungskünstler und Überhitzungsschützer. Fenstereinbau und Abdichten der Fuge ist aber kein fertiges Element sondern zu erstellendes Handwerk. „Fuge“ kommt vom Lateinischen „fuga“ und bedeutet „Flucht“ oder „Weglaufen“. Ist das vielleicht bezeichnend für die Art und Weise wie man mit dem Thema die Fuge umgeht? Schnell soll es gehen, ohne Schmutz, einfach, nichts kosten, länger Bestand haben als das Fenster selbst und das natürlich wartungsfrei. Eine wahrhaft eierlegende Wollmilchsau, spannend.

Die Fuge, als schwächstes Glied der Kette, bestimmt die Leistungsfähigkeit eines Bauteils. Anforderungen an das Bauteil müssen in der Fuge auf kleinstem Raum dargestellt werden. Der Leistung, sonst innerhalb von 24 oder mehr Zentimetern erbracht, steht nun nur wenige Millimeter zur Verfügung. Zeitgleich ist die Fuge die Brücke zum nächsten Hochleistungsbauteil, dem Fenster, das in sich schon eine komprimierte Fassung des umgebenden Bauteils darstellt. Entsprechend stark machen sich hier kleinste Mängel bemerkbar, es zieht, ist feucht und es schimmelt.

Erst denken, dann handeln – Kosten und Fehler sparen durch Planung und Abstimmung
Wie in der Musik ist die Bauteilfuge ein komplexes Teil in sich selbst. Musikalisch gesehen ist die Fuge eine kontrapunktische Form, die ein Thema durch verschiedene Stimmen hindurch reicht, es flieht von Stimme zu Stimme. Dies verlangt Planung, Übung und akkurate Einhaltung von Abläufen, weil sonst alles aus dem Takt gerät. Das Selbe lässt sich so auch für Bauteilfuge und Bauablauf formulieren. In der Musik entsteht ein Missklang, im Bauwerk ein Bauschaden oder Mangel, der dann wieder mühsam behoben werden muss. Es gilt, je später Fehler im Bauablauf auftreten desto höher ist der damit verbundene Korrekturaufwand und die Kosten. Die günstigste Fehlerkorrektur ist in der Planung die „Entf“-Taste zu drücken, auf der Baustelle bleibt diese Wunschvorstellung. Jedes Nachregeln im laufenden Prozess macht diesen aufwändiger, langsamer und erhöht die Kosten.

Unabhängig mit welchem System eine Fuge verschlossen wird, die Funktion und Dauerhaftigkeit stehen im Vordergrund. Grundsätzlich gilt es, dem Formverlauf von Fensterprofil und Baukörper zu folgen und den Spalt, die Fuge, funktionsfähig zu verschliessen. Lineare oder flächige Systeme, z. B. Kanten, sind in sich sehr einfach zu dichten. Aufwendiger werden Ecken oder Änderungen in der Geometrie. Hier müssen Dichtungsebenen durchgängig sein und bis zu Ende gedacht werden. Auch gilt der Verarbeitung des Dichtstoffes besondere Aufmerksamkeit: Macht das der Dichtsoff oder die Folie mit? Wie falten? Wie schneiden? Können Dehnspannungen oder Rückstellkräfte entstehen? Und wie sieht es bei 3-Dimensionalität der Eckbereiche mit zusätzlichem Versprung der Ebenen aus? Hier findet man die grösste Herausforderung für sämtliche Systeme.

Mehr Sicherheit durch feuchtevariable Anschlussfolien

Eine Möglichkeit der Fugenabdichtung ist die Anschlussfolie. Folgt man dem Formverlauf ist selbst die einfachste Form: die Kante, je nach Art des Fensterprofils (für alle Dichtsysteme) herausfordernd.

Die Prüfung von Dichtsystemen erfolgt an unabhängigen Instituten, wie z.B dem Institut für Fenstertechnik IFT Rosenheim in Deutschland.

Der Fensteranschluss stellt nicht nur Anforderungen als Wärmebrücke, sonder auch in Betracht an den Feuchtetransport durch Diffusion (konvektive Bewegungen sollten immer ausgeschlossen sein). Günstig für die Diffusion sind Bauteile inklusive Fuge, die nach aussen hin offen gestaltet sind. Kann dies, aus welchen Gründen auch immer, nicht realisiert werden, bietet es sich an mit feuchtevariablen Anschlussfolien zu arbeiten. Feuchtevariabel bedeutet, dass sich die Diffusionseigenschaften variabel den klimatischen Gegebenheiten anpassen und auf die Sommer-/Winterverhältnisse einstellen.

Damit kann die selbe Anschlussfolie sowohl innen als auch aussen verwendet werden. Damit erhöht sich nicht nur die Sicherheit in Bezug auf die Diffusion, sondern auch alle anderen Takte des Themas Fuge werden positiv beeinflusst: Senken der  Verwechslungsgefahr auf der Baustelle, Vereinfachung der Planung, einfache Materialwahl und damit verbundene Lagervorhaltung, Arbeitsvorbereitung und Logistik.

Feuchtevariable Dampfbremsbahnen sind schon seit langem in bauphysikalisch anspruchsvollen Konstruktionen, wie z.B. Gründächer, im Einsatz. Diese, auch als feuchteadaptiv bezeichneten Dampfbremsen sorgen für eine sicheres Feuchtemanagement der Konstruktion.

Diffusion ist Bewegung von Wassermolekülen durch das Bauteil und strebt immer von der energiereichen warmen, zur energiearmen kalten Seite des Bauteils. Im Winter von innen nach aussen, im Sommer von aussen nach innen. Eine feuchtevariable Anschlussfolie passt ihren Diffusionswiderstand entsprechend dieser Gegebenheiten an. Im Winter innen hemmend (warm und trockener) und aussen offen (kühl und damit feuchter). Im Sommer kehren sich diese Verhältnisse um in aussen hemmend (warm und trockener) und innen offen (kühler und feuchter). Die Membran der Anschlussfolie stellt sich auf das sie umgebende Klima ein und hält damit die Fuge optimal trocken.

Qualität im Bauablauf sichern
Die Luftdichtheit und die Schlagregensicherheit sind weitere wichtige Punkte der Bauteilsicherheit und Dauerhaftigkeit. Luftdichtheit und Diffusion unterliegen den normativen Vorgabe der SIA 180. Für den Fenstereinbau wird neben der SIA 331 oft auch  der Leitfaden zur Montage des RAL und IFT herangezogen. Die Luftdichtheit der Anschlüsse kann am Bau mit dem Blower-Door-Test geprüft werden. Sinnvoll ist hier eine Leckageortung die noch während der Bauphase stattfindet, zu dem Zeitpunkt bei der die Luftdichtheitsebene noch frei zugänglich ist. Nur so können Leckagen eindeutig geortet und direkt nachgebessert werden.

Feuchtevariable Abdichtungsfolien passen ihren sd-Wert auf die Gegebenheiten in der sommerlichen, bzw. winterlichen Situation an. Damit bleibt die Feuchte in der Fuge zu jeder Zeit so gering wie nur möglich.

Ein Witterungsschutz kann auch auf der Baustelle geprüft werden. Da das Verfahren sicher nicht auf jeder Baustelle eingesetzt wird, empfiehlt es sich als Mindestmassnahme, den Einbau in Augenschein zu nehmen und mit Fotos zu dokumentieren. pro clima Fensterbänder wurden unter anderem im Labor des IFT-Rosenheim auf ihre Schlagregensicherheit geprüft. Die schlussendliche Qualität des jeweiligen Fenstereinbaus hängt auch von der fachgerechten Verarbeitung vor Ort und damit von der Kunst der Fuge ab. Ein Augenmerk könnte bei der Kontrolle des Witterungsschutz, u.a. auf: Eckausbildung, Ebenenversprünge und die Durchgängigkeit der Dichtsysteme gerichtet werden. Bei der Materialwahl kann auf geprüfte und zertifizierte Systeme zurückgegriffen werden, z.B. feuchtevariable Anschlussfolien mit RAL-Zertifizierung.

Fazit
Massgeblich für Dichtheit und Dauerhaftigkeit der Fuge ist die Umsetzung vor Ort.
Geschwindigkeit auf der Baustelle wird durch entsprechende Planung und Vorbereitung erzielt. Dadurch können kalkulierte Kosten eingehalten und Mängel mit deren Folgekosten vermieden werden. Ein durchgängiges Prinzip in der Ausführung, das allen Monteuren zu eigen ist, erhöht die Qualität. Die Fuge als Bindeglied zwischen Fenster und Bauwerk beinhaltet viel Musik. Nicht nur Bach sollte zeigen, wie schön sie sein kann.
Christoph Boehringer

Dipl-Ing. (FH) Christoph Böhringer ist Anwendungstechniker bei pro clima


Der Autor

Christoph Böhringer hat Holztechnik an der FH Rosenheim studiert. Er ist Anwendungstechniker bei pro clima Deutschland.

Er und die Kollegen der Anwendungstechnik der pro clima schweiz GmbH stehen Ihnen zu Planungs-, Ausführungs- und Konstruktionsfragen zur Verfügung unter:

Tel. 052 588 00 79
Fax 052 301 54 57
eMail: technik@proclima.ch

français:
Tel. 022 518 18 98
eMail: technique@proclima.ch

Save the DATE 23. Mai 17: Kostenlose Veranstaltung zu Konsequenzen des EuGH-Urteils zur Baustoffzulassung

Bitte vormerken: Am 23.5.2017 findet in Köln eine Veranstaltung mit wichtigen Informationen rund um die Auswirkungen des Urteils C-100/13 des Europäischen Gerichtshofs zur deutschen Baustoffzulassung statt. Den Rahmen bildet der “Baudienstag”. Veranstalter sind pro clima und das Sentinel Haus Institut. Tagungsort ist die TÜV Rheinland Akademie.

Hintergrund: Seit dem 16.10.2016 sind wichtige Grundlagen der deutschen Baustoffzulassung (Ü-Zeichen) nicht mehr gültig, da sie gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstoßen. Für in der EU-harmonisierte Bauprodukte ist allein das CE-Zeichen als Marktzugang nötig. Die dafür zugrundliegenden europäischen Normen enthalten keinerlei Aussagen zur gesundheitlichen Qualität von Bauprodukten und weisen auch bei vielen anderen Kriterien deutliche Lücken gegenüber den bislang geltenden deutschen Vorgaben auf (Schallschutz, Brandschutz, Standsicherheit, etc.). Im Zuge der Neuordnung wurden zentrale Grundlagen des deutschen Baurechts geändert (Musterbauordnung, Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen). Nicht zuletzt kommen auf die Akteure der Wertschöpfungskette Bau neue, wichtige Dokumentations- und Haftungspflichten zu.

Zielgruppen: Die Veranstaltung richtet sich an alle am Bau Beteiligten: Architekten, öffentliche und private Investoren, Wohnungsbauunternehmen, Kommunen, Entscheider von Bauproduktherstellern und Baustoffhandel.

Anmeldung: Die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt. Die Anmeldung zu der kostenlosen Veranstaltung ist ab sofort möglich bei Herrn Marco Helfesrieder: helfesrieder@sentinel-haus.eu

Veranstaltungsflyer

 

 

 

 

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pro clima Fachtage in Verden

Unser Partner pro clima bietet am 4. und 5. Mai 2017 im Norddeutschen Zentrum für Nachhaltiges Bauen in Verden mit den Fachtagen eine kompakte Fortbildungsverstaltung für Verarbeiter, Planer und Investoren an. Mit dabei sind auch Roto, Caytec und das Sentinel Haus Institut. 15 kompetente Fachreferenten geben ihr geballtes Wissen weiter. Die Themen reichen von Bauphysik über moderne Planungsmethoden, nachhaltige Baustoffe bis hin zu Baukonstruktionen und Qualitätssicherung. Im Mittelpunkt steht der Mensch: Deshalb tanken Sie bei den pro clima Fachtagen in Verden auch frisches Wissen zu Wohngesundheit und Kommunikation. Die Angebote sind modular aufgebaut, sodass sich jeder seine Programmpunkte indivduell zusammenstellen kann. Gleichzeitig wird das neue pro clima Seminarzentrum für die sichere Gebäudehülle in Norddeutschland eröffnet. Hier geht es zum Flyer mit allen weiteren Informationen.

Lösung für einen barrierefreien Zugang auf eine Dachterrasse

Schnittstelle Baustelle zeigte die fachgerechte Umsetzung der Details für ein Flachdach in Holzbauweise

Es sind Details, die nur gewerkeübergreifend und mit vorausschauender Planung gelöst werden können: die Anschlüsse für den barrierefreien Zugang auf eine Dachterrasse. Damit beschäftigte sich Schnittstelle Baustelle 2017 in Blaubeuren. Das Referenten-Team demonstrierte an einem Seminartag Lösungen, die nach dem aktuellen Stand der Technik umgesetzt werden können.

Barrierefreier Zugang auf eine Dachterrasse: Das Team von Schnittstelle Baustelle demonstrierte in Blaubeuren, wie verschiedene Anschlüsse fachgerecht geplant und hergestellt werden.

„Barrierefreies Bauen wird immer mehr gefordert. Aber die fachgerechte Ausführung bei einem stufenlosen Zugang zu einer Dachterrasse hat so seine Schwierigkeiten“, sagt Bauingenieur Michael Förster, der die pro clima Anwendungstechnik leitet. Als Referent bei Schnittstelle Baustelle erklärte er die normativen Richtlinien und die bauphysikalischen Zusammenhänge: „Die meisten Teilnehmer sind zu unserer Veranstaltung angereist, weil sie eine rechtssichere Lösung nach dem aktuellen Stand der Technik kennenlernen wollten.“

Das Schnittstelle-Baustelle-Referententeam arbeitete live während der Veranstaltung an einer realen Situation. Jedes Gewerk zeigte die besonders schwierigen Stellen, denen Beachtung geschenkt werden sollte. So lernten die 180 Teilnehmer die Gesamtsituation eines ebenen, absatzlosen Türaustritts kennen. Die Referenten – Ingenieure, Zimmerer und Dachdecker – demonstrierten eine technisch einwandfreie Komplettlösung. Diese können die Teilnehmer direkt in ihren Baualltag übernehmen.

Bei Schnittstelle Baustelle 2017 wurde eine Konstruktion von einer Reihe von Gewerken bearbeitet. Dabei erstellten die Referenten live den barrierefreien Zugang auf eine Dachterrasse. Zeitgleich erklärten sie den theoretischen und normativen Hintergrund. Damit alle Teilnehmer auch kleine Details am Bauteil sehen konnten, wurden die Arbeitsschritte gefilmt und parallel auf eine große Leinwand projiziert.

Der Bausachverständige Daniel Kehl ergänzte die Veranstaltung mit einem Vortrag aus der Sichtweise eines Gutachters. Er unterstrich die Wichtigkeit von detaillierter Planung, sorgfältiger Ausführung und Qualitätskontrolle.

„Die 200-Kilometer-Anfahrt für mich hat sich absolut gelohnt. Ich habe gelernt, wie ich technisch sauber und rechtssicher diesen barrierefreien Anschluss lösen kann. Interessant waren für mich auch die Exkurse, beispielsweise das Update zum Flachdach-Bau“, fasste Bauingenieur und Zimmerermeister Alexander Erny von Holzbau Erny zusammen.

Rund 180 Handwerker, Planer und Energieberater besuchten Schnittstelle Baustelle 2017. Es gibt viel Unsicherheit bei Projekten, bei denen der barrierefreie Zugang auf eine Dachterrasse umgesetzt werden soll. Der Hintergrund: technische Vorgaben und praktische Anforderungen widersprechen sich. Schnittstelle Baustelle hat dazu einen fachgerechten Lösungsansatz präsentiert.

2018 tourt das Referententeam durch 8 deutsche Städte: 30.01.2018 Hamburg; 01.02.2018 Bad Salzuflen; 06.02.2018 Karlsruhe; 08.02.2018 Frankfurt; 06.03.2018 Leipzig; 08.03.2018 Würzburg; 13.03.2018 Regensburg; 15.03.2018 Bad Grönenbach. Weitere Informationen:  http://schnittstelle-baustelle.de/2018

2018 tourt das Referententeam durch 8 deutsche Städte. Die Termine und Orte stehen bereits fest: http://schnittstelle-baustelle.de/2018

Die gewerkeübergreifende Fachschulung wurde vor sechs Jahren von pro clima und Inthermo initiiert. Seitdem bieten pro clima, der Spezialist für die Luftdichtung innen und Winddichtungen außen, und Inthermo – Hersteller von ökologischen Wärmedämmverbundsystemen – Praxisworkshops an, die bestimmte Details beleuchten. Dieses Jahr sind auch die Teams von Wolfin Bautechnik, Spezialist für Flachdachabdichtungen, und Alumat, Hersteller von dichten Türübergängen ohne Schwelle, dabei gewesen. Als Ausstellungspartner fungierte die Firma Mayr-Melnhof Holz Leoben GmbH.

Damit alle 180 Teilnehmer auch die Detailverarbeitung richtig mitverfolgen konnten, wurden die Praxishandgriffe gefilmt.

Aktive Pausen: Im Programm gab es Pausen, in denen die Teilnehmer an Modellen ihr gelerntes Wissen umsetzen und mit den Experten aktuelle Projekte diskutieren konnten.

Interview mit Bauingenieure Michael Förster über die Lösung für einen barrierefreien Zugang auf eine Dachterrasse:

Interview mit dem Bausachverständigen Daniel Kehl zu typischen Schäden und vermeidbaren Fehlern

Impressionen auch auf der Fotoplattform flickr:
https://www.flickr.com/photos/proclima/albums/72157677981557184/with/33453513665/
Diese Pressemitteilung als PDF:
2017_07_PM_Schnittstelle Baustelle 2017 Nachbericht

Pressekontakt:
Heide Gentnerheide.gentner@proclima.de
Tel: 06202 – 2782.56

Bau-Fachkonferenz in Norddeutschland – 4. und 5. Mai 2017

Eröffnung Seminarzentrum im NZNB am 4. und 5. Mai in Verden

(c) Norddeutschen Zentrum für Nachhaltiges Bauen

Wissen, das begeistert: Am 4. und 5. Mai 2017 finden die ersten Fachtage Verden im Norddeutschen Zentrum für Nachhaltiges Bauen, NZNB, statt. Auf dem Gelände des ersten fünfgeschossigen Strohballenhauses Europas wird pro clima gleichzeitig sein neues Seminarzentrum eröffnen.

Das NZNB präsentiert Besuchern Ökologie auf hohem Level. Das Team zeigt, dass umweltbewusst Bauen sinnvoll, bezahlbar, gemütlich und innovativ sein kann. Das können hier Planer, Handwerker und Energieberater schauen, anfassen und erleben. Die hellen Seminarräume laden dazu ein, theoretisches Wissen aufzusaugen. In der Praxisausstellung und Workshops kann Gelerntes ausgetestet werden.

16 aktuelle Bauthemen Themen stellt das Referenten-Team bei den ersten Fachtagen in Verden vor. Die Teilnehmen erfahren am 4. und 5. Mai theoretische Hintergründe und können an Praxismodellen Gelerntes ausprobieren.

Bei den 1. Fachtagen in Verden geben Fachreferenten ihr geballtes Wissen weiter: von Bauphysik über moderne Planungsmethoden, von nachhaltigen Baustoffe bis hin zu Baukonstruktionen und Qualitätssicherung. Beim Bauen sollte der Mensch immer im Mittelpunkt stehen: Deshalb gibt es bei den Fachtagen in Verden auch frisches Wissen zur Wohngesundheit und Kommunikation.

Anmeldungen sind ab sofort möglich. Der Frühbucherrabatt gilt bis 31.03.2017:
https://www.fachtage-verden.de/anmeldung/

Initiiert hat die Fachtage Verden pro clima, Entwickler und Produzent von Systemen für die Luftdichtung innen und Winddichtung außen. Kooperationspartner sind das Netzwerk Nachhaltiges Bauen, der Lehm-Baustoffhersteller Claytec und das Sentinel Haus Institut, das das Planen und Umsetzen von gesunden Wohn-, Lern- und Arbeitsräume unterstützt. Weitere Partner sind der Dachflächenfensterhersteller Roto und Frerichs Glas.

Veranstaltungsort:
Norddeutsches Zentrum für nachhaltiges Bauen
Halle 57
Artilleriestr. 12
27283 Verden

https://www.fachtage-verden.de/

Ansprechpartner bei Anmeldung:
Jael Fingerle

seminare@proclima.de
Tel: 06202/2782-0

Weitere Infos und Anmeldung:
https://www.fachtage-verden.de/anmeldung/

Diese Pressemitteilung als PDF:
2017_06_PM_Fachtage Verden

Sichere Innendämmung mit Faserdämmstoffen – Was ist zu beachten?

Die Sparziele die mit dem Klimavertrag von Paris vereinbart wurden sind ehrgeizig.
Die globale Erwärmung des Klimas soll auf maximal zwei Grad begrenzt bleiben.
Deswegen sollen in der EU alle Neubauten ab spätestens 2020 energieneutral
beheizbar sein. Zur Sanierung der Altbauten bestehen vielfältige Förderprogramme.
Leider werden in Deutschland aber nur ca. 1 % der Altbauten pro Jahr energetisch
erneuert. Der durchschnittliche Heizenergiebedarf der noch nicht renovierten
Altbauten liegt bei 160 KWh, was umgerechnet 16 Litern Heizöl pro Quadratmeter und Jahr.
bild-0-thermografie-innenwand

Thermografie einer Fachwerkwand vor der Sanierung

Dämmtechnisch wäre ohne weiteres eine Verbesserung um den Faktor 10, auf nur
noch 15 KWh bzw. 1,5 l möglich. Der verbleibende Verbrauch kann durch
Eigenproduktion zum Beispiel mit Photovoltaik und eine thermische Solaranlage
ausgeglichen werden. Als Resultat ergibt sich so ein Nullenergiehaus.
Diese Sparziele scheitern jedoch häufig an Schwierigkeiten bei der praktischen
Umsetzung im Bestand. Altbauten schränken oft schon durch ihre Baukonstruktion
die Sanierungsmöglichkeiten ein.
So werden beispielsweise Wände am effektivsten von außen gedämmt. Das ist aber

nicht möglich, wenn die Fassade erhalten bleiben muss oder ein Sichtfachwerk erhalten bleiben soll. Im Sanierungsfall kommt dann eine Innendämmung zum Zug.

Welche Innendämm-Systeme gibt es überhaupt?
Es sind verschiedenste Systeme für Innendämmungen auf dem Markt. So gibt es
beispielsweise kapillaraktive Systeme mit Mineralschaum oder Holzfaserplatten.
Diese werden raumseitig verputzt und mit der bestehenden Wand mineralisch
verklebt und verdübelt. Die Feuchteregulierung erfolgt bei diesen Systemen durch
einen kapillaren Feuchtetransport nach innen. Leider sind dadurch die maximal
erzielbaren Dämmstärken auf 100 mm beschränkt. Hinzukommt, dass die meisten
dort eingesetzten Dämmstoffe aufgrund der notwendigen erhöhten Festigkeit als
Putzträger keine so optimale Dämmwirkung erzielen können.
Als effektiver in Dämmwirkung und Aufbau haben sich Konstruktionen mit Holz- oder

Metallständern und dazwischen eingebauten faserförmigen Dämmstoffen erwiesen, weshalb es in der Folge hauptsächlich um diese Konstruktionen geht.

Die alte Wand kann einfrieren
Zunächst einmal ist es gut zu schauen, welche Auswirkungen eine Innendämmung
allgemein auf die bestehenden Wandaufbauten hat. Der Bestand soll ja durch die
Dämmmaßnahme nicht geschädigt werden.
Es ist ein Faktum, dass je stärker die bestehende Wand von Innen gedämmt wird, sie
im Winter umso stärker in den äußeren Schichten abkühlt, weil ja von innen weniger
Wärme ankommt. Dies kann dazu führen, dass die Wand abhängig vom eigenen
Dämmwert im Winter sogar komplett einfriert. Deswegen sollten alle ihre Bestandteile
frostbeständig sein. Gipsputze auf der Innenseite sind es nicht, sie können nach
Frostwechseln faulen. Eingeschlossenes kapillares Wasser kann zusätzlich zwischen
Mauerwerk und Außenputz zu Abplatzungen führen.
Deswegen ist es wichtig, sich die bestehende Wand und ihre Schichten genauer
anzusehen, bevor man mit der Ausführung beginnt. Im Infokasten finden Sie zu
diesem Thema eine Checkliste mit Hinweisen, auf was zu achten ist.
bild-2-schlagregen

Schlagregen auf der Innenseite einer Riegelwand

Sicherheit durch Feuchteberechnung
Es empfiehlt sich für den geplanten Wandaufbau, vorgängig eine Feuchteberechnung/Beurteilung durchführen zu lassen. Dabei ist zu beachten, dass die in der DIN 4108 Teil 3 vorgesehene Glaser-Berechnung bei der Innendämmung nicht zu realistischen Ergebnissen führen. Denn dieses Verfahren berücksichtigt nur den Feuchtetransport über Diffusion, nicht aber über Konvektion und kapillaren Transport. Die WTA (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V.) empfiehlt in ihrem Merkblatt 6-4 deswegen neben einem vereinfachten Verfahren generell den Nachweis mit einer instationären Berechnung wie WUFI.

Sichere WUFI-Berechnung
Beim WUFI-Nachweis kann man den besonders kritischen Feuchteanfall an der
Grenzschicht zwischen neuer Dämmung und bestehender Wand gut beurteilen. Die
Porenluftfeuchte an dieser Grenzfläche sollte 92% nicht überschreiten, damit die
Feuchte nicht langfristig zu Materialschäden führen kann. Manche Hersteller von

Dampfbremsen bieten hier Hilfestellung mit kostenlosen, aber verbindlichen Beurteilungen der geplanten Konstruktion an.

Was ist bei der Ausführung zu beachten?
Die möglichen Dämmstärken, werden zwar durch teilweise vorhandene
Diffusionsdichtheit der bestehenden Wand oder die Höhenlage des Objekts teilweise
eingeschränkt. Es dürften aber, trotz möglicher Einschränkungen weit bessere U-
Werte machbar bleiben.
Die folgenden Hinweise und Empfehlungen beziehen sich auf den Einsatz einer
feuchtevariablen Dampfbremse. Der Einsatz solcher Dampfbremse wird von renommierten Bauphysikern speziell auch bei Innendämmungen empfohlen.

Mögliche Dämmstärken

  • Außen diffusionsoffene Konstruktionen (sd<0,5 m) können ohne Beschränkung der maximalen Dämmwerte und der Höhenlage ausgeführt werden.
  • Außen diffusionsbremsende Konstruktionen (sd< 3,0 m, z. B. Hochlochziegel bis 20 cm oder Weichholz bis 7,5 cm Dicke) können bei gleichen maximalen Dämmwerten bis zu einer maximalen Höhenlage von 1200 m.ü.NN. ausgeführt werden.
  • Bei außen diffusionsdichten Konstruktionen (sd> 3,0 m, z.B. durch Klinker, Beton oder Bitumenbeschichtungen im Bestand) beträgt die maximale Dämmstärke von faserförmigen Dämmstoffen (bis Wärmeleitwert 0,035 W/mK) 120 mm + weiteren 30 mm in der Installationsebene. Dies ist dann bis zu einer maximalen Höhenlage von 700 m.ü.NN. möglich.
  • Im Einzelfall sind auch bei außen diffusionsdichten Konstruktionen unter optimalen Bedingungen, zum Beispiel bei einer südorientierten, unverschatteten Wand trotzdem noch höhere Dämmstärken als in der Empfehlung möglich.Voraussetzung ist in so einem Fall eine Beurteilung mit Hilfe einer WUFI-Einzelberechnung durch einen versierten Spezialisten.

Ausführungstipps:

Luftdichtung_Innendaemmung_Sohle_01_

Konvektion: Konvektion in der Dämmebene kann zu Schäden führen

Der Dämmstoff muss unbedingt vollflächig zwischen Dampfbremse und bestehender
Wand eingebaut werden. Dies reduziert die Konvektion in der Dämmebene, ganz
nach dem Spruch „Wer Hohlräume verbaut, hat die Konstruktion versaut“. Wenn die
alten Wände schief oder stark uneben sind, ist es vorteilhaft mit Einblas-Dämmungen
zu arbeiten. Sie haben auch den Vorteil, dass sie meist sorptiv sind und die Feuchte

von den kritischen Bauteilen und Positionen wegleiten.

Das Außenmauerwerk sollte beidseitig verputzt sein. Dies sorgt außen für den sehr wichtigen Schlagregenschutz und innen für die Luftdichtheit sowie den kapillaren Feuchteübergang. Kalkputze sind übrigens auf der Innenseite von Vorteil, weil sie im Gegensatz zu reinen Zementputzen diffusionsoffener sind.

bild-5-innenputz-bei-riegelwand-nachgebessert

Innenputz bei Riegelwand, nachgebessert: Die Anschlussfugen zwischen Ausfachung und Riegel wurden sorgfältig nachgebessert, damit der Schlagregen nicht mehr so leicht eindringen kann.

  • Vorhandene sperrende Schichten wie Fliesenbeläge sind abzuschlagen. Auch vorhandene Tapetenreste sollten wegen Schimmelgefahr vorgängig entfernt werden.
  • Beachten Sie mögliche Wärmebrücken an einbindenden Innenwänden und Decken ab 100 mm Dämmstärke und generell in den Fensterlaibungen. Eventuell muss die Dämmung ein Stück um die Ecke gezogen werden, damit die Gefahr von Kondensatbildung reduziert wird.
  • Optimal ist es, wenn die Luftdichtung auch bei Decken durchgängig
    ausgeführt werden kann. Müssen Decken oder Boden eingebunden werden,
    kann man mit einer luftdichten, diffusionsoffenen Unterdachbahn nach außen
    und wieder zurück springen und diese wieder an die reguläre Dampfbremse

    anschließen.

    bild-6-deckenuebergang

    Durchgängige Luftdichtung am Deckenauflager

  • Bei der Verlegung der Dampfbremse, sind die Anschlüsse an angrenzende
    Bauteile sorgfältig auszuführen. Oft sind die angrenzenden Bauteile selbst
    weder homogen noch in sich luftdicht. So kann es schnell zu
    Hinterströmungen von Außenluft durch diese Bauteile kommen. Die Wirkung
    der Dämm-Maßnahme wird dann stark reduziert, weil es zum Beispiel plötzlich
    aus dem Türfutter oder den Steckdosen der Innenwand windet oder es an den
    Fußleisten der angrenzenden Decke zieht. Es ist also gut, bei diesen
    Bauteilen nicht automatisch von einer gegebenen Luftdichtheit auszugehen
    und sich durch eine Bauteilöffnung oder eine Überprüfung der Luftdichtheit
    z.B. mit einer Blower-Door oder einer Bauteilsondierung im Dämmbereich
    Gewissheit zu verschaffen. So kann man im Bereich der Luftdichtungsebene

    gegebenenfalls nachbessern.

    bild-8-balkenkopf-mit-riss

    Balkenkopf mit Riss: Riss in Balkenköpfen können eine Leckage darstellen

  • Bewährt hat sich eine betriebsinterne Qualitätssicherung, während heikler
    Dämm- und Luftdichtungsarbeiten, nach dem Vier-Augen-Prinzip.
    Arbeitskollegen können sich bei der Arbeit gegenseitig rückversichern, dass
    sie alle Details richtig ausgeführt haben und sich gegenseitig fragen: „Ist die
    Dämmung wirklich hohlraumfrei eingebracht? Sind alle seitlichen Anschlüsse
    luftdicht und hinterströmungsfrei ausgeführt? Sind Balkenköpfe dauerhaft

    luftdicht an die Dampfbremse angeschlossen?“

  • Vor dem Anbringen der Innenverkleidung empfiehlt sich, bei solch
    bauphysikalisch anspruchsvollen Konstruktionen wie der Innendämmung,
    zusätzlich eine Überprüfung der Luftdichtheit mit Differenzdruck zur Ortung
    der Restleckagen. Nachbesserungen werden damit erleichtert und spätere
    Rückbaumaßnahmen vermieden. Sollte der Blower-Door-Test einmal auf
    Grund eines luftdichten Bestands keine sicheren Ergebnisse bringen, wird
    empfohlen, zumindest eine sorgfältige Sichtprüfung durchzuführen. Die
    Prüfungsergebnisse sollten auf jeden Fall in den Bauakten dokumentiert

    werden.

  • Bei Durchdringungen z. B. von Kabeln oder Leerrohren haben sich
    vorgefertigte Manschetten bewährt. Sie ersparen Montagezeit und sichern

    dabei noch die dauerhafte Qualität.

  • Der Innenausbau muss, um die Rücktrocknung nach innen zu ermöglichen,
    mit diffusionsoffenen Materialien ausgeführt werden. Diffusionsoffen sind zum
    Beispiel Holzpaneele/Massivholz bis max. 30 mm, Gipsfaser-, Hartgips- oder
    4 Gipskartonplatten auch mit Putzüberzug und Anstrich, MDF-Platten ohne
    sperrende Beschichtungen, Lehmbauplatten oder diverse Akustikelemente.
Das Fazit:
Eine Innendämmung verbessert den Wohnkomfort und spart viel Energie. Die
sichere Ausführung von Innendämmungen erfordert eine gute Vorbereitung. Neben
der Bestandsaufnahme und der bauphysikalischen Überprüfung muss auch bei der
Ausführung sorgfältig gearbeitet werden. Wer diese Herausforderung annimmt,
schafft für seine Kunden bleibende Werte, die zur Energieeffizienz beitragen. So hat

man das Beste aus der nicht immer einfachen Altbau-Situation herausgeholt.

Der Autor
michael-w
Michael Wehrli ist pro clima Schweiz Techniker und Vizepräsident des Thermografie Verbandes Schweiz, theCH.

Der studierte Architekt ist auch als Referent auf Seminaren, Tagungen und Kongressen unter­wegs.

 

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